Voisin C6 Laboratoire (1:87, Eigenbau)


  • Voisin C6 Laboratoire (Ab 1923)
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  • Eigenbau
  • 1:87
  • Standmodell / Unangetrieben
  • Silber (Matt)
  • Unikat
  • Limitiert auf 1 Modelle
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  • Keine Angaben
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  • Das Modell ist unverkäuflich
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Voisin C6 Laboratoire, 1923

Bei der Recherche zum Modell des Bugatti T32 "Tank", welcher 1923 am Grand Prix in Tours teilnahm, bin ich auf eine Abbildung eines noch sonderbareren Fahrzeuges gestoßen. Beim Foto handelte es sich um einen Voisin C6 Laboratoire der ebenfalls am Rennen teilnahm. Über dieses Fahrzeug wollte ich unbedingt mehr wissen...

Das Vorbild

Bis vor dem ersten Weltkrieg baute Gabriel Voisin in seiner Firma hauptsächlich Flugzeuge bevor er sich 1919 auf dem Bau von Automobilen konzentrierte. Für den Grand Prix in Tours baute Voisin insgesamt vier Wagen. Welche letztlich das Ergebnis eines impulsiven Protestes Voisins gegenüber dem französischen Automobilclubs (l'A.C.F.), den Organisatoren der Rennen, sind.

Denn ein Jahr zuvor startete Voisin mit drei Wagen des Typ C3 S in der Tourenwagenklasse des Grand Prix von Straßburg, die auch gleich die ersten drei Plätze erreichten. Für das Rennen hatte Voisin die Karosserien seiner Wagen aerodynamisch optimiert und legte die damals gültige Regel, nach der die Karosseriebreite auf Höhe der Vordersitze mindestens 130 cm breit sein müsse, auf eine eigentümliche Art aus. Die eigentlich nur 90 cm breite Karosserie seiner Wagen erhielten an beiden Seiten zusätzlich eine 20 cm breite tropfenförmige Karosserieausbuchtung. Dadurch ließ sich die Stirnfläche der Wagen und somit auch der Luftwiderstand deutlich verringern. Die Organisatoren des l'A.C.F. waren von dieser Regelauslegung alles andere als begeistert, mussten sie jedoch anerkennen da die Mindestbreite von 130 cm eingehalten wurde.

Ende Dezember 1922 veröffentlichte der l'A.C.F. daraufhin neue Regeln für die Tourenwagenklasse um solche Interpretationen, mit dem Ziel der aerodynamischen Optimierung, zu vermeiden. Voisin platze vor Wut, wollte er doch seine erfolgreichen Wagen weiter optimieren und im Folgejahr wieder in der Tourenwagenklasse starten. Eben dies ließen die neuen Regeln jedoch nicht mehr zu. In seiner Wut schrieb Gabriel Voisin einen sarkastischen offenen Brief an den l'A.C.F. in dem er ein Ausbremsen des technischen Fortschritts anprangerte. Außerdem kündigte er an, am kommenden Grand Prix im Juli 1923 nicht mehr in der Tourenwagen-Klasse zu starten. Statt dessen würde er mit vier Wagen in der Rennwagen-Klasse an den Start gehen. Eine etwas kurzsichtige Reaktion, denn Voisin verfügte weder über entsprechende Fahrzeuge noch hatte er einen passenden Motor. Zudem blieb bis Anfang Juli nicht mehr viel Zeit um vier Fahrzeuge inklusive Motor komplett neu und gemäß Regelwerk zu entwickeln.

Zu jener Zeit arbeitete jedoch Voisins Motorexperte Marius Bernard an einem Vierzylinder-Schiebermotor der für den Typ C4 vorgesehen war. Voisin entschied diesen Motor um zwei weitere Zylinder zu erweitern, um so einen Hubraum von 1.984 ccm mit einer Leistung von rund 80 PS zu erreichen. Als Chefingenieur und verantwortlich für den Bau der neuen Rennwagen, war sich André Lefebvre (welcher später bei Citroen den Traction Avant, den DS und den 2CV maßgeblich entwickelte) bewusst, dass die Motoren der Konkurrenz weitaus leistungsstärker waren. Um das Handicap des eigenen Motor zu kompensieren, zogen Lefebvre und Voisin alle Register Ihres Könnens und setzten konsequent auf Leichtbau und geringen Luftwiderstand.

Es entstand einer der ersten Aluminium Monocoque Wagen mit einem Gewicht von 660 kg. Die Hinterräder befanden sich innerhalb der nach hinten verjüngten aerodynamisch optimierten Karosserie und hatten eine Spurbreite von nur 75 cm. Bei ersten Versuchen betrug diese sogar nur 50 cm! Durch die geringe Spur ließ sich das Differential und somit auch Gewicht einsparen. Um keine Motorleistung für die Wasserpumpe zu verlieren wurde diese über einen kleinen Propeller oben am Kühler nur vom Fahrtwind angetrieben. Eine damalige Innovation waren Bremsen an allen vier Rädern, die zusätzlich noch mit einem Bremskraftverstärker versehen war bei dem sich während der Fahrt die Bremskraft für vorne und hinten verstellen ließ.

Wie von Gabriel Voisin angekündigt, starteten am 2. Juli 1923 vier Wagen des Typ C6 zum 35 Runden und knapp 800 km langen Rennen. Die Wagen wurden jeweils von Arthur Duray (Nr. 5 / 29 Runden), Henri Rougier (Nr. 15 / 19 Runden) und André Morel (Nr. 17 / Disqualifiziert) gefahren. Der vierte Fahrer war mit der Startnummer 10 André Lefebvre selbst, der auch als einziger aus dem Team seinen Voisin über die Ziellinie fuhr. Mit rund einer Stunde und fünfzehn Minuten nach dem Sieger war er der fünfte und letzter Teilnehmer, von siebzehn, der das Ziel erreichten. Zwei Monate später, am 9. September, starteten drei C6 am 80 Runden und 800 km langen Grand Prix von Italien in Monza, von denen jedoch kein einziger das Ziel erreichte. Fahrer bei diesem glücklosen Rennen waren André Lefebvre (Nr. 15 / 29. Runden), Henri Rougier (Nr. 9 / 28 Runden) und Eugenio Silvani (Nr. 3 / 14 Runden).

Nach diesem Fiasko beteiligte sich Voisin nicht mehr an Grand Prix Rennen und konzentrierte sich auf Geschwindigkeits-Rekordfahrten. Mit zusätzlichen Kotflügeln für die Vorderräder sah man den C6 noch bei einigen Bergrennen ehe die Wagen in den Hallen Voisins für immer verschwanden. Es ist wohl davon auszugehen, dass sie irgendwann demontiert und eingeschmolzen wurden um das verwendete Aluminium anderweitig zu nutzen. Heutzutage existiert von diesen außergewöhnlichen Fahrzeugen nur noch eine Replik, die der französische Rennsport-Enthusiast Phillipe Mock bauen ließ und 1993 auf der Pariser Retromobile das erste Mal der Öffentlichkeit präsentierte.


Das Modell

Das Modell wurde als reines Standmodell, in einer Kombination aus moderner Digitaltechnik und konventioneller Handarbeit gebaut. Durch die doch recht einfache Karosserieform war der Voisin für mich ein ideales Trainingsobjekt für die 3D-Konstruktion am Computer und um mich mit meinem Programm Rhino weiter vertraut machen zu können.

Doch zuerst galt es in einem Vektorprogramm zweidimensionale Seitenansichten, so genannte Blueprints, zu zeichnen welche dann in Rhino importiert wurden. Bei der 3D Konstruktion in Rhino habe ich mich nur auf die Karosserie und die Grundplatte konzentriert und darauf was sich später mittels 3D-Druck oder Stereolithograpie auch tatsächlich darstellen lässt. Feine Gravuren oder Details entfielen, da diese später manuell ergänzt werden sollten. Die finalen "wasserdichten" STL Daten wurden dann bei Shapeways mit dem Material „frosted ultra detail“ in ein reale Grundbauteile umgesetzt.

Um die sichtbaren Abstufungen der Bauteile zu entfernen wurden sie mit 1.000er Schleifpapier geglättet und erhielten mit einer Reißnadel sowie einem Messerstichel sämtlichen Gravuren. Als Führungshilfe für die Reißnadel verwendete ich zugeschnittenes Dymo Labelband. Die Details wurden aus Polystrol, Alublech und Kupferdraht in den verschiedenen Stärken von 0,1 bis max. 1 mm von Hand angefertigt und mit Sekundenkleber-Gel verklebt. Die Räder stammen von einem Austro Daimler 18/32 aus dem Hause Masterpiece. Diese erhielten Radblenden welche ich aus den Sockelfüßen von Busch Verkehrsschilder-Set und mittels Locheiseten ausgestanzten Polystrolplättchen herstellte. Der umgeklappte Steinschlagschutz für den Fahrer besteht aus einem Ätzblech von Weinert und 0,2 mm Kupferdraht.

Bei der Lackierung verwendete ich Tamiya Farben sowie Revell Aqua Color für die Details.
Unklar ist heute die Farbe in welcher die Voisns damals lackiert wurden. Vermutungen liegen nahe, dass es sich hierbei um einen hellen Blauton handeln könnte. Als guten Kompromiss fand ich jedoch Alu passend. Entspricht es doch weitgehend der heutigen Replik als auch den Originalen vor der Lackierung.

Autor: Coachwork87

*Alle Angaben sind unverbindlich und ohne Gewähr

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