Sammlung "1979psh" | DRM

Ende der Sechziger wollte die damalige oberste deutsche Rennsportbehörde, die ONS, aufräumen mit dem Gewirr der Klassen, die in den Sechzigern im Rahmen der deutschen Automobil Rundstreckenmeisterschaft (DARM) über die Rennstrecken wuselten.
Als sie mit dem Aufräumen fertig waren, hatten sie die ultimative nationale Rennserie geschaffen: Die Deutsche Rennsportmeisterschaft.

Das Prinzip dahinter war simpel. Statt wie bislang das Starterfeld in etliche Hubraumklassen zu unterteilen, wurde in der DRM nur noch in der Division I (Hubraum bis 2000ccm) und in der Division II (Hubraum bis 4000ccm) gefahren. Das Besondere dabei: Im Rennen war das Feld zwar in zwei Klassen aufgeteilt, in der Gesamtwertung wurde aber kein Unterschied zwischen den Divisionen gemacht. So bekamen die jeweiligen Klassensieger gleich viele Punkte, sodass auch die "Kleinen" die Chance hatten, in der Meisterschaft ein Wörtchen mitzureden. Und dieses Kunststück gelang im Laufe der Jahre Einigen: So holte beispielsweise Dieter Glemser 1973 und '74 das Championat auf einem Ford Escort der kleinen Kategorie und auch Hans Heyer fuhr jeden seiner drei Titel auf Fahrzeugen der Division II ein.
Bis in die späten Siebziger "lebte" die DRM überwiegend von den großen Duellen zwischen Ford und BMW, später waren es dann vornehmlich die Porsche, die es zu schlagen galt.

Während in den Anfangsjahren sogar noch das ein oder andere Bergrennen in die Wertung mit einfloss, fanden die Rennen später ausschließlich auf deutschen Rundkursen und Flugplatzkursen wie Schauinsland, Wunsdorf, Norisring oder
Mainz-Finthen statt. Später, mit zunehmender Fokussierung auf die Internationalität, machte man auch Abstecher nach Österreich (Zeltweg, Salzburgring), Italien (Imola), England (Brands Hatch) und Belgien (Zolder).

Wurde die Serie zunächst ausschließlich von modifizierten GR2 Fahrzeugen wie den Capri RS und Escort von Ford oder den 3.0CSL bzw. 2002 von BMW bevölkert, waren ab 1977 auch hochgezüchtete Rennwagen mit ausladenden Kotflügelverbreiterungen, mächtigem Spoilerwerk und Turbotechnik nach Gruppe 5 Reglement zugelassen. Bekannte Vertreter dieser Epoche waren der Porsche 935, der BMW M1 Turbo und - last but not least - der Turbo Capri. Da die Kosten für solch ein Fahrzeug immens waren, wurden diese Fahrzeuge allerdings nur von den großen Teams mit den entsprechenden finanziellen Mitteln eingesetzt - die breite Masse war nach wie vor auf den billigeren Saugmotortypen unterwegs, für die ab 1979 innerhalb der DRM eine eigenen Wertung - die Deutschen Rennsport Trophäe - geschaffen wurde.

Um den Fans und Sponsoren ein noch größeres Spektakel zu bieten, wechselte man 1982 auf Gruppe C Prototypen und fuhr fortan auf internationalem Niveau. Damit die Rennen übersichtlicher wurden, wurde zudem die Zweiklassengesellschaft abgeschafft. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Tourenwagen, wie der Ford Capri waren nun chancenlos gegen die Gruppe C Fahrzeuge und kamen nur noch sporadisch zum Einsatz, bevor sie zur Saison 1983 endgültig in der Versenkung verschwanden.

Nun begann der Abstieg der Serie: Bedingt durch die horrenden Kosten, die die Gruppe C verursachte, waren nur noch die großen Teams übrig geblieben - die einst so bunte DRM war zur Spielwiese der Autohersteller verkommen, die von den Porsche Teams dominiert wurde: Die nachlassende Besucherschar wurde Jahr für Jahr Zeuge, wie die zahlreich vertretenen 936 und 956 die Meisterschaft unter sich ausmachten - an Monotie kaum zu überbieten.
Auch wenn das Fahrerfeld nach wie vor hochkarätig war und bekannte Namen wie Bob Wollek, Stefan Bellof und Jochen Mass den Meister stellten, war der Niedergang der DRM besiegelt.
In diesem Zustand vegetierte die DRM bis Ende 1985 dahin, bevor sich die Verantwortlichen erbarmten, den Stecker zu ziehen.

Die einst so glorreiche DRM war tot - als neues Aushängeschild des deutschen Rennsports wurde nun die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft gehandelt. Denn hier wurde das geboten, was die Fans liebten und was früher auch die DRM ausgemacht hatte: Seriennahe Rennfahrzeuge, mit denen sich die Massen identifizieren konnten, boten spannenden, kompromisslosen Rennsport. Im Nachhinein ist es unfassbar, dass die Verantwortlichen auch hier wieder dieselben Fehler begingen und die DTM schlußendlich mit der gleichen Vehemenz gegen die Wand fahren ließen, wie die DRM zehn Jahre vorher. Aber das ist eine andere Geschichte....