Sammlung "1979psh" | Tyrrell F1

Nachdem Tyrrell bereits seit den Fünfziger Jahren Rennen in der Formel Junior, der Formel 3 und der Formel 2 betreitet, geht das Team rund um den ehemaligen Holzhändler Ken Tyrrell ab 1968 in der Formel 1 an den Start. Als Fahrer kann Tyrrell Jackie Stewart gewinnen.

Die ersten beiden Jahre ist Tyrrell ein reines Kundenteam. Das Chassis kommt von Matra, bei der Technik setzen die Engländer auf den neuen Ford-Cosworth Achtzylinder. Das Team startet zu dieser Zeit unter dem Namen Matra Ford Cosworth und ist bereits in dieser frühen Phase überaus erfolgreich. So kann Jackie Stewart bereits im ersten Jahr drei Rennen gewinnen und wird mit 39 Punkten Vizemeister hinter Graham Hill im Lotus.
1969 siegt Stewart bei sechs von elf WM Läufen und sichert sich in überragender Manier mit 26 Punkten Vorsprung vor Brabham-Fahrer Jackie Ickx seinen ersten Weltmeisterschaftstitel.

Trotz dieses großartigen Erfolges kommt es 1970 zum Bruch zwischen Matra und Tyrrell. Die Franzosen liefern ihr Chassis nämlich nur noch an die Teams, die auch den Matra Zwölfzylinder verwenden. Da Tyrrell die Qualität des Ford Triebwerks viel höher einschätzt, beendet er die Zusammenarbeit mit Matra und sieht sich nach einem anderen Chassislieferanten um. Nachdem Verhandlungen mit McLaren und Lotus scheitern, entscheidet sich Tyrrell für den Bau eines eigenen Rennwagens. Bis zu dessen Fertigstellung behilft sich Tyrrell mit drei Kundenchassis von March.
Beim drittletzten GP in Kanada feiert der Tyrrell 001 schließlich seine Premiere. Es wird ein Einstand nach Maß, Jackie Stewart stellt den Boliden auf Anhieb auf die Poleposition. Am Renntag kann Stewart die Pole in eine Führung ummünzen und sogar einen Vorsprung herausfahren, bevor ihn in Runde 32 ein Schaden an der Hinterachse stoppt.
In den letzten beiden verbleibenden Rennen der Saison erweist sich der 001 als schnell, aber auch als sehr anfällig, Stewart scheidet immer in aussichtsreicher Position aus.

Mit dem 003 läuft Stewart 1971 zu neuen Höchstleistungen auf, Er steht sechsmal ganz oben auf dem Podest und sichert Tyrrell sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursmeisterschaft.
Im Nachfolgemodell 006 kann Stewart diesen Erfolg 1973 wiederholen und krönt sich mit fünf Siegen zum dritten Mal zum Weltmeister.

Als sich Stewart nach seinem dritten Titel vom aktiven Rennsport verabschiedet, sind die erfolgreichsten Jahre von Tyrrell vorbei.
Mit Piloten wie Jody Scheckter, Patrick Depailler oder Ronnie Peterson und kühnen Konstruktionen wie dem sechsrädrigen P34 versucht Tyrrell den Anschluss an die Spitze zu halten. Doch es gelingt nicht. Der P34 hat von Beginn an mit Reifenproblemen zu kämpfen und erzielt in seiner gesamten Laufbahn lediglich einen Doppelsieg. 1977 ist das Projekt am Ende. Im Nachhinein bezeichnet Ken Tyrrell den P34 als Irrweg.

Gezeichnet von dieser Niederlage verweigert sich Tyrrell den nächsten Trend: Die Turbo Ära. Denn obwohl Tyrrell bereits 1980 die Möglichkeit hat, Turbotriebwerke von Renault zu übernehmen, hält das Team am konventionellen Saugmotor fest. Erst Mitte der Achtziger ringen sich die Engländer als letztes F1 Team neben Minardi zu den Turbo Aggregaten durch. Zu diesem Zeitpunkt ist der Zug freilich schon lange abgefahren. Längst ist die einstige Erfolgsmannschaft nur noch im hinteren Drittel des Mittelfeldes zu finden.
Und damit nicht genug: Seit sich Hauptsponsor ELF zunehmend auf Renault und Ligier konzentriert, fehlt es an allen Ecken und Enden an Baren.
Aufgrund der angespannten finanziellen Lage ist Tyrrell mittlerweile dazu gezwungen, preiswerte Neulinge als Fahrer zu verpflichten; die großen Namen der Branche beziehen ihre Gehaltsscheck bei anderen Teams. Doch auch bei den anderen Posten muss Tyrrell sparen. 1989 berichten die Medien, dass Ken Tyrrell seinen 65. Geburtstag damit verbringt, den Team-LKW nach Monaco zu steuern, weil er sich keinen LKW Fahrer mehr leisten kann.

Als die Turbo Ära Ende 1986 zu Ende geht, kann Tyrrell endlich wieder zu seinen hochgeschätzten Ford Achtzylinder zurückkehren. Allerdings ändert sich dadurch nichts, eher das Gegenteil ist der Fall - Tyrrell siecht weiterhin im hinteren Mittelfeld dahin und hat mittlerweile sogar immer wieder Schwierigkeiten, sich überhaupt für das Rennen zu qualifizieren.

Nachdem weder Motorendeals mit Honda und Ilmor noch personelle Veränderungen fruchten, ist der Traditionsrennstall in den Neunzigern nur noch ein Schatten seiner selbst. Als Ken Tyrrell den Rennstall Ende 1997 an British American Racing (BAR) verkauft, erinnert außer dem Namen nichts mehr an die glorreichen Zeiten.